Karneval in Rio

Mittwoch, 16.03.2011

Jede Reise hat ein Ende und so ist auch meine Reise nach sieben Monaten in Brasilien vorbei, was auch gleichzeitig das Ende der Blogeinträge bedeutet. Daher möchte ich mich an dieser Stelle auch schon mal für die insgesamt über 3.500 Klicks bedanken und für die 2.000 Klicks unter den 3.500, die wahrscheinlich alle von meiner Mutter stammen. Für einen Sponsoren hat es leider dennoch nicht gereicht.

Den Blog möchte ich trotzdem nicht damit enden, wie traurig ich doch bin, dass ich das Land, meine gewonnenen Freunde und das gute Wetter außerhalb von São Paulo hinter mir lassen muss. Stattdessen möchte ich ein wenig über meine letzten Tage berichten.

Nachdem Eva wieder nach Deutschland geflogen ist, habe ich zwei Wochen alleine in São Paulo verbracht. Zwei Wochen, in denen ich jeden Tag Sport gemacht habe, jeden Tag ausgegangen bin und den Rest des Tages effizient vorm Computer verbracht habe. Streicht man von dem Satz nun das "Sport gemacht" weg und ersetzt es durch "Minesweeper gespielt", ersetzt weiterhin "jeden Tag" durch "einmal" und denkt sich das "effizient" weg, so erkennt man, was ich wirklich in den zwei Wochen gemacht habe. Und dabei hatte ich mir tatsächlich vorgenommen jeden Tag Sport zu machen. Wobei…bei Mineweeper musste ich wenigstens die Maus bewegen. Und wenn Schach als Sport gilt, muss Minesweeper laut Definition ein Leistungsport sein. Und wenn man genauer hinschaut, dann erkennt man auch schon einen kleinen Sixpack auf meinem Zeigefinger. Wie dem auch sei, die zwei Wochen sind trotzdem schnell rum gegangen und ehe ich es mir versah, kam Peter auch schon wieder zurück nach São Paulo und es ging am nächsten Tag mit dem Bus weiter nach Rio.

Jetzt fragt man sich natürlich zu Recht, und das hab auch ich mich gefragt: Ist der Karneval wirklich so spektakulär wie man sich ihn vorstellt? Wird jeden Tag wie wild gefeiert und sieht man tatsächlich überall halbnackte, braun gebräunte Frauen auf den Umzugswagen, die unter wilden Sambarhythmen zeigen was sie zu bieten haben?…Jepp, das tut man und zwar auf Kanal 18 des lokalen Fernsehsenders. Alles live und in HD. Was ich damit sagen will ist, dass man als Normalsterblicher keine Umzugswagen zu sehen bekommt, es sei denn man hat 200 Euro zu viel, um sich ein Ticket für die Sambaschulen zu kaufen. Was soll ich also sagen? Brasilianer können ja so oder so schon wenig, aber was sie überhaupt nicht können, ist Karneval feiern.Für knapp eine Woche wird trotzdem jeden Tag an verschiedenen Plätzen in Rio gefeiert. Nachmittags geht’s los mit tausenden von Menschen, die sich alle die Kante geben. Leider ganz ohne Umzugswagen und auch nicht immer mit Musik. Das hat uns allerdings trotzdem nicht vom Feiern abgehalten. 

Karneval wie er hätte sein sollen Karneval wie er tatsächlich ist

In Rio selbst haben wir uns mit fünf anderen Personen für die Karnevalszeit eine Wohnung gemietet. Perfekte Lage, direkt zwischen der Copacabana und Ipanema. Die Truppe selbst war auch spitze und vor allem in Feierstimmung, so dass wir jeden Tag einen riesen Spaß hatten. Also zumindest fast jeden Tag. Den letzten Abend hätte man sich nämlich getrost sonst wo hin stecken können.

Unsere Truppe

Das Ganze hat so angefangen, dass wir den Abend davor in einer Hotelbar etwas trinken waren. Im Übrigen in dem Hotel, in dem auch Gisele Bündchen die Karnevalszeit verbracht hat. Nur in der Bar war sie leider nicht. Schon am Eingang wurde jedem eine Karte in die Hand gedrückt, um die Bestellungen elektronisch festzuhalten. Da ich nichts bestellt hatte bin ich im Anschluss mehr oder weniger versehentlich mit der Karte aus dem Hotel gelaufen. Damit wir alle auf dem gleichen Wissensstand sind: Wir hatten am Ende des Abends also eine leere Karte. Was macht man also mit einer leeren Karte? Ganz einfach. Man geht am nächsten Tag noch einmal in die Hotelbar, holt sich eine zweite Karte auf die man dann alle Getränke schreibt und bezahlt im Anschluss mit der leeren Karte und läuft mit der Vollen aus dem Hotel. So zumindest die Theorie. Ihr werdet euch denken können, wie es tatsächlich ausgegangen ist. Es wurden Getränke ohne Ende bestellt, inklusive einer 200 Euro teuren Champagner Flasche, die uns zumindest so weit brachte, dass uns das Personal jeden Wunsch von den Lippen abgelesen hat. Feucht fröhlich wurde also weiter bestellt. Macht ja auch nichts. Wir waren schließlich im Besitz einer leeren Karte. Das Bezahlen hat dann allerdings nur mittelmäßig geklappt, obwohl wir aus Angst mit zwei Karten in der Tasche erwischt zu werden, so intelligent waren und die volle Karte vorher die Toilette runtergespült haben. Das Plastik schwimmt und nicht so leicht runterzuspülen ist, sei hier mal außer Acht gelassen. Die Karte hat so oder so keiner entdeckt. Was aber entdeckt wurde, bzw. aufgefallen war, ist die Tatsache, dass wir doch erheblich mehr bestellt haben mussten als rein gar nichts. Selbst mein kläglicher Versuch so zu tun, als müsse ich um vier Uhr nachts einen 1,5 Milliarden Dollar Vertrag mit Tokio abschließen und auf der Stelle das Hotel verlassen bevor der Vertrag platzt, hat nicht so gut geklappt wie angenommen. Auch der Versuch zu erzählen man sei der Hotelmanager und würde gleich jemanden feuern, kam nur mittelmäßig gut an. Vielleicht hätte ich auch bei einer Lüge bleiben sollen. Naja, lange Rede kurzer Sinn, wir haben an dem Abend 450 Euro rein für Getränke ausgegeben und hatten dabei nur verhältnismäßig Spaß. Besonders nach der Rechnung nicht mehr. Dabei sollte man meinen, man sei mit 25 Jahren erwachsen genug und hat andere Dinge im Kopf als reinen Blödsinn. Ist wahrscheinlich auch bei den Meisten so…aber eben nur bei den Meisten.

VOR der Rechnung

Zum Abschluss dieses Eintrags möchte ich noch einmal ganz an den Anfang zurückgehen. Statistisch gesehen hätte ich in dem halben Jahr 290 Freunde haben müssen, wenn ich in Hofheim nur einen Freund hätte und das Verhältnis Einwohnerzahl und Freunde gleich geblieben wäre. Dank Facebook ist es nun möglich, genau zu erfahren wie viele Freunde man tatsächlich hat. Tolle Sache so was. Und da ich nur meine besten Freunde in meine Freundesliste mit aufnehme, sehe ich, dass ich eine stolze Anzahl von 244 besten Freunden habe. Leider kommt das nicht ganz an die 290 ran, die ich eigentlich hätte haben müssen. Wenn ich dann auch noch alle Freunde abziehe, die ich vor Brasilien hatte, komme ich nur noch auf eine Zahl von 130 neuen Freunden. Mit anderen Worten, ich hab kläglich versagt.

2009 gab es 123.496 Überfälle, was bedeutet, dass 1,12% aller Einwohner in São Paulo ausgeraubt werden. Was soll ich sagen? Gefühlsmäßig müsste die Zahl viel höher sein. Von allen Austauschstudenten wurden bestimmt 10% ausgeraubt, inklusive Peter und mir, denn uns wurde beiden die Kreditkarte, bzw. die Zugangsdaten geklaut. Peter wurde sogar zweimal ausgeraubt, was dann nur noch einer Wahrscheinlichkeit von 0,0125% entsprechen würde. Wenn man dann auch noch hinzurechnet, dass Peter angeschossen wurde und nimmt man einfacher halber an, dass die Wahrscheinlichkeit angeschossen und die Wahrscheinlichkeit in São Paulo getötet zu werden, gleich ist (also 0,011%), so hat Peter das komplette Programm mitgenommen, was einer Wahrscheinlichkeit von 0,000138% entspricht. Das wiederum lehrt uns eines: Wenn einem das Leben oder die Brieftasche lieb ist, hält man sich am besten fern von ihm. Und da wir schon bei dem Thema Statistik sind, fällt mir ein dazu passender Witz ein: "Ein Statistiker wird gefragt, wo er begraben werden will. Seine Antwort: In Jerusalem, da ist die Auferstehungswahrscheinlichkeit am Größten." Ha ha ha…

Aber zurück zum Eigentlichen. Meine Zeit in Brasilien war eine der besten in meinem Leben, auch trotz der Freundesblamage. Ich hab viel gesehen, viel erlebt und zurückgeblieben sind noch mehr Erinnerungen und zumindest ein sehr guter Freund mit dem ich mir ein halbes Jahr alles geteilt habe.

Manaus und Amazonas

Mittwoch, 23.02.2011

Wenn man noch nie in Brasilien gewesen ist und spontan das Land beschreiben müsste, so würde man wahrscheinlich zuallererst von wunderschönen Stränden und Frauen schwärmen. Die schönen Strände gibt es tatsächlich, doch was die Frauen angeht, so…naja, muss man zumindest suchen. Abgesehen davon interessieren mich Frauen sowieso nicht. Schließlich hab ich die Schönste von Allen an meiner Seite. Nur so nebenbei, ich wurde nicht gezwungen das zu sagen und bekomme auch kein Geld dafür. Was ich aber mit Sicherheit bekomme, ist eine Gutschrift auf mein virtuelles Bonuskonto. Sollte ich also, und das wird passieren, irgendwann einmal wieder Misst bauen, so kann ich darauf zugreifen und gewisse Taten ausgleichen. Die meisten Männer werden wohl wissen wovon ich spreche. Ich mein, nur aus diesem Grund gibt es Blumen auf der Welt.

Aber zurück zum Wesentlichen! Wenn man weitere zwei Dinge über Brasilien nennen müsste, so wäre das wohl der Karneval in Rio de Janeiro und zum Zweiten Indianer im tiefsten Dschungel vom Amazonas. Ihr werdet ahnen worauf es hinausgeht, bzw. hinging. Genau, nach Manaus, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas. Über Manaus ist so viel zu sagen, dass es dreckig und einfach potthässlich ist. Da kann selbst São Paulo mithalten. Einzig interessant ist, dass Unternehmen von jeglichen Steuern befreit sind. Das liegt daran, dass wirklich niemand in die Gegend möchte. Also werden Firmen über diesen Weg angelockt, die dann im besten Fall ordentlich Jobs schaffen und die Arbeitslosigkeit nach unten schrauben. Uns hat es aber wegen des Dschungels hierher getrieben und so ging es nach einer Nacht in Manaus auf die zweitägige Tour durch das Amazonasgebiet.

Früh morgens ging es mit dem Boot los, zuerst an die Stelle an der sich das einzigartige Naturschauspiel des Zusammentreffens der Flüsse Rio Negro und Rio Solimões ergibt. Aufgrund der unterschiedlichen Beschaffenheit der Flüsse – Wassertemperatur, Wasserdichte und Wassergeschwindigkeit – fließen die beiden Ströme 30 Kilometer buchstäblich nebeneinander her, ohne sich zu mischen. Ab ihrer Einmündungen laufen sie dann unter den weltbekannten Namen Amazonas. Angeblich soll man die unterschiedlichen Wassertemperaturen spüren können, hält man seine Hand ins Wasser und fährt von einem Fluss über die Grenze zum Anderen. Sagen wir so, ich hab nichts gespürt, während Andere im Boot laut: "Ohhh ja, das ist ja enorm. Unglaublich!" gerufen haben. Aus Angst als völliger Idiot dazustehen, habe ich dann mitgemacht und zudem meinen Blick aufgesetzt, den ich habe wenn mir Eva was erzählt was mich überhaupt nicht interessiert, ich aber trotzdem interessiert aussehen möchte. Dabei öffne ich meine Augen ein wenig mehr als gewöhnlich, schiebe meine Lippen nach vorne und nicke leicht mit dem Kopf. Ein immer wiederkommendes "Mhmm…" unterstützt das vorgespielte Interesse noch. Jetzt kommt im Übrigen wieder das angesprochene Bonuskonto ins Spiel. Der Bonus von eben ist zwar jetzt futsch, allerdings bin ich durch den Ausgleich immer noch auf der sicheren Seite.

Das Zusammentreffen der Flüsse

Doch weiter im Programm. Nach knapp drei Stunden Fahrt mit mehreren Booten und Autos sind wir an dem Ort angekommen, wo wir eine Nacht verbracht haben und der Ausgangspunkt für unsere Touren war. Die Dschungel-Lodge des Reiseanbieters. Zwar sehr schlicht eingerichtete Hütten mit ein paar Blättern bedeckt, aber trotzdem ganz hübsch anzusehen. Im Dschungel kann man auch nicht mehr erwarten. Einzig nervig waren die Frösche in unserem Badezimmer. Ich kann mir nicht erklären warum, aber die Dinger kamen immer wieder in die Hütte und haben sich in die Toilette gesetzt. Die können nur von Glück reden, dass ich sie immer vorher entdeckt habe, bevor ich…ach lassen wir das. Ich hab mal von Fröschen gehört, die Halluzinationen hervorrufen können wenn man sie ableckt. Diesen Versuch hat mir Eva leider verboten. Dabei wären mir Halluzinationen sicher gewesen, ob giftiger Frosch hin oder her, nachdem die den ganzen Tag in der Toilette gehockt haben.

Nach kurzer Verschnaufpause und Mittagessen ging es dann weiter mit dem eigentlichen Programm, was mit Piranhafischen eingeleitet wurde. Angeblich sollen Piranhas ja gar nicht so aggressiv sein wie sie immer in Filmen dargestellt haben. Ich sag wie’s ist. In meinem ganzen Leben hätte ich meine Hand nicht länger als fünf Sekunden in dieses Wasser gehalten. Gefangen haben wir die Viecher mit Hühnchenfleisch, was mehr oder weniger schon weg war bevor der Angelhaken ins Wasser tauchen konnte. So viel zu nicht aggressiv.

Erfolgreich gefangen So sehen sie aus Ebenfalls erfolgreich

Weiter ging es dann mit dem Kanu den Fluss entlang, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe. Langsam und ganz still ging es voran, um die wilden Tiere nicht zu verscheuchen. Ich würde ja gerne behaupten Anakondas, Jaguare und Brüllaffen gesehen zu haben, war aber leider nicht so. Außer Mogli, so hab ich unseren Führer getauft, der hat alles gesehen. "Habt ihr das gesehen? Krass, so was sieht man nur ganz selten." kam es ab und an, wahrscheinlich aber nur um die Spannung aufrecht zu erhalten. Tatsächlich hat Mogli aber so einiges entdeckt. Abends ging es noch einmal mit dem Kanu raus, Kaimane fangen. Sehr kleine wohlgemerkt, die Mogli aber schon aus 50 Meter Entfernung gesehen hat und dann mit einem geschickten Griff aus dem Wasser gefischt hat. Witzige Geschöpfe. Fühlen sich ganz unecht an und lassen ganz brav alles über sich ergehen ohne ein einziges Mal rumzuzappeln. Nur gelegentlich bewegen sie mal ein Bein. Die kennen das wahrscheinlich schon von anderen Touristen.

Kleiner Kaiman Meiner ist eben der Größte

Neben Kaimanen kann man aber auch Delphine beobachten, wer hätte das gedacht!?Dabei hab ich Delphine vorher immer für Salzwassertiere gehalten. Leider sind Delphine rein fototechnisch schwer einzufangen. Generell sind die Tiere dort etwas fotoscheu und präsentieren sich nur selten vor der Kamera. Sieht man ein Tier und drückt nicht im selben Moment auf den Auslöser, ist es weg. Die Devise lautet also: Fängt man sie nicht, bekommt man kein Foto. Daher habe ich leider auch kein Bild von einem Affen der an meiner Hand durch den Dschungel läuft oder ein Bild von einer Anakonda die mich liebevoll drückt. Vielleicht beim nächsten Mal. Dafür aber konnte ich Fotos von etlichen Spinnen auf unserer Trekking-Tour durch das tiefste Gestrüpp machen. Mogli hat es sich nämlich nicht nehmen lassen jegliche Form von Spinne, ob Vogelspinne oder nicht, einzufangen und uns zu zeigen. Ich glaube ja wirklich, dass er der wahre Mogli war.

Vogelspinne Im Dschungel selbst Ebenfalls im Dschungel Sonnenuntergang im Amazonas

Nach zwei Tagen war das Programm für uns leider wieder vorbei. Gerne wäre ich noch einen Tag länger geblieben. Trotzdem hat sich die Reise nach Manaus gelohnt und einen kleinen Eindruck vom Amazonas haben wir auf jeden Fall mitgenommen.

Jericoacoara

Dienstag, 22.02.2011

Wie gesagt hatten wir leider einen Tag weniger in Rio, so dass wir mehr oder weniger komplett auf einen Strandtag verzichten mussten. Das hat nicht nur Eva geärgert, sondern mich auf der anderen Seite extrem genervt, da ich mir ständig anhören musste: "Ich muss braun werden. Wenn ich das nicht schaffe sind meine Arbeitskolleginnen nicht neidisch auf mich. Man muss wenigstens ein bisschen sehen das ich im Urlaub war." Ich hab ihr daraufhin vorgeschlagen sich doch auf dem Zuckerhut auszuziehen und sich wie ein Dönerspieß auf zum Boden zu wälzen, da der Effekt der Sonnenstrahlen hier doch am höchsten sein muss. Schließlich befindet man sich ein wenig näher an dem feurigen Ball. Lange Rede kurzer Sinn, das wollte sie nicht und so hat sie auf einen Bräunungstag verzichtet, den wir dafür aber in Jericoacoara, unserem nächsten Ziel nachgeholt haben.

Mit dem Flieger ging es also von Rio nach Fortaleza, ganz hoch in den Norden von Brasilien. Der Flug dauerte eine Ewigkeit. Nicht nur mussten wir extrem früh aufstehen, wir haben auch noch einen Stop in Recife einlegen müssen. Zumindest können wir jetzt behaupten mal dort gewesen zu sein. Angekommen in Fortaleza ging es dann auch wieder direkt weiter. Dieses Mal jedoch mit einem Jeep. Über Jericoacoara, kurz Jeri genannt muss man wissen, dass der Ort ein einziges Wüstengebiet ist. Jeri befindet sich in einem Naturschutzgebiet indem es nichts anderes gibt als Sand und Esel, die den ganzen lieben Tag nichts anderes tun als sich nicht zu bewegen. Nun ja und mitten drin, wie eine kleine Oase aufgestellt Jericoacoara. Der Ort ohne jegliche Form von Straßen ist nur mit einem Jeep mit Vierrad Antrieb zu erreichen und selbst mit solch einem Jeep hab ich mir erzählen lassen, bleibt man gelegentlich stecken. Da Jeri von Fortaleza zusätzlich weitere vier Stunden entfernt ist, trifft man dort relativ wenige Touristen an, was den Ort noch attraktiver macht.

Umgeben von viel viel Sand

Geschlafen haben wir in einem sehr schönen Hostel, geführt von einem Schweizer, der uns auf alle Sehenswürdigkeiten aufmerksam gemacht hat und uns immer hilfreiche Tipps gegeben hat. Viele Sehenswürdigkeiten gibt es allerdings nicht. Eigentlich nur Eine und das ist ein großer Stein mit einem Loch.

Unser Hostel Auf dem Weg zum Stein mit Loch Der besagte Stein Nur meine Muskelkraft hat mich am Leben gehalten

Ansonsten kann man über Jeri nur sagen, dass dort die Welt noch in Ordnung ist. Die Leute sind freundlich, die Restaurants billig und der Caipirinha kostet mit aktuellem Wechselkurs gerechnet 1,1 Euro. Wenn man dann noch den Strand sieht, der sich Kilometer weit nach links und nach rechts zieht, kann man fast schon von einem Paradies sprechen. Selbst das nervige Gequietsche in meinem Ohr was ich anfangs noch hatte, da Eva nicht wie gehofft in den ersten fünf Minuten in der Sonne braun geworden ist, ist schnell vergangen. Wir hatten also beide was wir wollten.

Der Strand Das Paradies schlechthin Auf einer Liege am Strand

Rio de Janeiro

Sonntag, 20.02.2011

Keine Reise nach Brasilien kommt ohne Rio den Janeiro aus, die zweitgrößte Stadt Brasiliens mit knapp sechs Millionen Einwohnern. Auch Eva und mich hat es daher nach Rio gezogen, allerdings nicht wegen der Einwohnerzahl.

Rio de Janeiro liegt an der Guanabara-Bucht und wurde am 1. Januar 1502 von Gaspar de Lemos entdeckt. Da er die Bucht irrtümlich für die Mündung eines großen Flusses hielt, erlangte Rio daher seinen Namen, der zu deutsch "Fluss des Januars" bedeutet.

Doch auch nicht wegen dem Namen hat es uns in die Stadt gezogen.

Rio de Janeiro ist vor allem bekannt für den Zuckerhut, die 38 Meter hohe Christusfigur auf dem Gipfel des, dem legendären Karneval in Rio und natürlich der Copacabana, der nach wie vor als einer der berühmtesten Strände der Welt gilt. Ich persönlich habe noch nie einen so dreckigen Stadtstrand gesehen. Der Strand an sich ist wunderschön, im Wasser ist aber so viel Dreck, dass man zwangsweise mit einer Plastiktüte und einem Eisstiel auf dem Kopf herumläuft, sollte man den Fehler begehen und zu tauchen. Und wenn ich schon von Dreck rede, dann muss ich leider auch den Gestank in den Straßen von Rio erwähnen. Vielleicht lag es an dem Viertel in dem wir für drei Nächte gewohnt haben, aber an jeder Ecke stinkt es unerbärmlich, auch wenn nicht ungewöhnlich viel Abfall auf den Straßen liegt. In jeder Favela riecht es besser, wo wir dann auch schon beim nächsten Thema sind. Statistisch gesehen werden rund 2.262 Menschen pro Jahr in Rio erschossen, was die Stadt zu einer der gefährlichsten der Welt macht. Zum Vergleich, in Berlin werden jährlich nur etwa 40 Menschen erschossen, was zwar immer noch eine hohe Zahl ist, im Vergleich zu Rio jedoch sehr klein bleibt. Grund für die hohe Mordrate, sowie etliche Überfälle an der Copacabana und anderen Stadtteilen sind nach wie vor die Favelas, die es haufenweise zu sehen gibt und die sich gelegentlich gegenseitig bekriegen um mehr Territorium zu erlangen. Und mitten in der größten Favela (Rocinha), in der knapp ein Viertel aller Einwohner Rios leben und die Schauplatz für viele Filme ist, waren Eva und meine Wenigkeit. Allerdings mit Führer, denn alleine haben wir uns nicht reingetraut. Die mehrstündige Tour war sehr interessant und hat uns vorbeigeführt an Jugendlichen die auf den Straßen öffentlich ihre Drogen nehmen, während sie neben sich ihr Maschinengewehr liegen haben. Die Favela selbst ist ein einziges Dreckloch. Müll liegt überall auf den Straßen und in den Häusern herum. Hier ist noch mal zu erwähnen, dass es dort trotzdem nicht so stinkt wie in unserem Viertel in der Stadt. Trotz alledem ist zumindest diese Favela nicht so schlimm wie man sie sich vielleicht vorstellt. Es gibt kleine Geschäfte in den Straßen, viele Autos und Motorräder, die zwar wahrscheinlich alle geklaut sind, aber zumindest gibt es sie. Auch auf Strom müssen die Leute nicht verzichten, der wird nämlich einfach abgekappt und ebenfalls geklaut. Selbst ein kleines internes Krankenhaus steht zur Verfügung, wo ich allerdings im Leben nicht hingehen würde. Ansonsten und wer hätte das gedacht, ist die Favela der sicherste Ort in ganz Rio. Man kann sich frei bewegen, sich einen Fächer mit Geld basteln und nichts würde passieren. Grund dafür sind die Favelabosse die einen immensen Einfluss auf die Einwohner haben. Jegliche Kriminalität in den Favelas wird im höchsten Maße bestraft, nicht selten mit dem Tod. Das liegt daran, dass die Favelabosse Angst haben, dass die Polizei aufgrund eines einfachen Diebstahls in der Favela Radau schiebt und möglicherweise sie selbst erwischt. Daher werden bestimmte Regeln aufgestellt und da jeder Angst vor den Folgen hat, sollte man die Regeln brechen, ergibt sich ein Teufelskreis. Bosse haben Angst vor der Polizei, Kleinverbrecher haben Angst vor den Bossen und die Polizei hat sowieso Angst und gibt sich mit kleinen Bestechungen zufrieden um ja keinen Fuß in eine Favela setzen zu müssen. Außerhalb der Favelas ist man allerdings wieder jeglicher Form von Kriminalität ausgesetzt und derjenige der dir in der Favela selbst vielleicht noch Hilfe angeboten hat, raubt dich im nächsten Moment an der Copacabana aus. So ist das Leben. Zusammengefasst war der Besuch von Rocinha jeden Cent wert. Kleine selbst gemachte Mitbringsel haben wir auch noch gekauft und konnten mit dem Gewissen nach Hause gehen jedenfalls ein klein wenig geholfen zu haben.

Rocinha Die Stromleitungen Kleine Familie in der Favela

Selbstverständlich haben wir auch dem Zuckerhut und der Christusstatue einen Besuch abgestattet, von denen man einen traumhaften Blick über ganz Rio genießen kann. Und auch wenn ich hauptsächlich negative Dinge über Rio erzählt habe, ist die Stadt trotz alledem die schönste Stadt die ich bisher in Brasilien gesehen habe und die nach São Paulo wichtigstes Handelszentrum ist und nebenbei ein toller Ort ist, um zu entspannen und den ein oder anderen Caipirinha am Abend mit Meerblick zu süffeln. 

Eva Sicht vom Zuckerhut Keine Ahnung was ich mir dabei gedacht habe Sicht vom Corcovado Die Christusstatue Eva und Ich

Ilha Grande

Freitag, 18.02.2011

Nach so viel "Stress" war es nun endlich mal wieder an der Zeit ein paar Tage zu entspannen. Daher zog es Eva und mich auf eine der schönsten Inseln der Welt, Ilha Grande, zu deutsch "Große Insel". So wahnsinnig groß ist die Insel dann allerdings doch nicht. Brasilianer neigen dazu immer ein wenig zu übertreiben. Die Insel ist ansonsten zu einem großen Teil Naturschutzgebiet und mit dichtem atlantischen Regenwald bewachsen, was sie wahrscheinlich deshalb so schön macht. Noch heute gibt es zahlreiche Tiere auf der Insel und Arten über die noch verhältnismäßig wenig bekannt ist, wie z.B. der Guyana-Delfin. Gesehen haben wir aber keinen. Uns sind allerdings häufiger Hunde über den Weg gelaufen und eine Katze habe ich glaube ich auch gesehen.

Wie dem auch sei, nachdem wir wieder zurück nach São Paulo geflogen sind und eine Nacht dort verbracht haben, ging es am nächsten Tag mit dem Bus nach Angra dos Reis, von wo aus wir anschließend eine Fähre zur Insel genommen haben.

Geschlafen haben wir in einem Hostel direkt am Meer. Trotzdem war das Hostel nicht gerade spitzenklasse und auf keinen Fall mit dem Hostel zu vergleichen was wir in Foz do Iguaçu hatten. Die Strände konnten das aber wieder wettmachen.            

Der Strand vor dem Hostel

Nach einer Nacht im Hostel haben wir uns am nächsten Tag dann direkt auf den Weg durch den Jungle von Ilha Grande zum nächsten Strand gemacht, von dem wir gehofft haben völlig alleine zu sein. Ganz alleine waren wir dann zwar nicht, aber schön war der Strand trotzdem und mit jedem Schluck Bier in einer dortigen Strand-Bar (so viel zum verlassenen Strand) wurde der Tag besser und besser. Zumindest bis zu dem Punkt an dem Eva dann doch einen Schluck zu viel hatte und geradewegs alles wieder rauslassen musste. Das gute Bier. Es ging also wieder auf den "gefährlichen" Heimweg ins Hostel. Gefährlich deshalb, da wie erwähnt zahlreiche Tiere auf dieser Insel sind, von denen bestimmt das ein oder andere Viech nicht ganz ohne ist. Zum Zweiten aber führte der einzige Weg über eine Brücke, die das absolute Herzblatt der brasilianischen Architektur ist und bestens beschreibt wie viel Gedanken hinter einem solchen Bau stecken. Vor allem hinsichtlich der Haltedauer. Genauso wie die Straßen in São Paulo gebaut sind, hatte man auch hier den Eindruck, dass die Brücke aufgestellt und anschließend sofort weggerannt wurde, bevor das Ding zusammenstürzt. Überzeugt euch selbst von dem Bild.

Der Weg durch den Jungle Der nicht ganz einsame Strand Eva Unser Bier-Tag Ich auf Haifischjagd Die Brücke

Der nächste Tag verlief ähnlich entspannend wie der Vorherige, allerdings ganz ohne Alkohol. Der Körper braucht schließlich die eine oder andere Erholungspause. So haben wir also die meiste Zeit in der Sonne am Strand gelegen und gelesen, wobei ich mir zum ersten Mal im Leben einen richtigen Sonnenstich geholt habe. Verbrannt habe ich mich eigentlich nicht wirklich, dafür bin ich aber in der Nacht aufgewacht und hatte ebenfalls zum allerersten Mal in meinem Leben das starke Gefühl gleichzeitig zu kotzen und zu kacken. Ein Glück, dass das Waschbecken direkt neben dem Klo war, denn so wurde mir die Entscheidung genommen ins Klo zu kacken und auf den Boden zu kotzen oder eben auf den Boden zu kacken und ins Klo zu kotzen. Das Badezimmer sah danach trotzdem aus wie Sau. Den Gang zum Klo habe ich dann auch noch ein paar Mal in der Nacht wiederholt. Auch am nächsten Morgen, dem eigentlichen Tag unserer Abreise bin ich nur dann aufgestanden wenn ich wieder dieses starke Gefühl hatte von…nun ja, ihr wisst ja was ich meine. Der Tag war also sprichwörtlich für den Arsch. Als ich am Nachmittag immer noch nicht in der Lage war mich zu bewegen und sich ein enormer Hautauschlag auf meinem Rücken gebildet hat, hat das Hostel dann den Krankenwagen gerufen und mich trotz Gegenwehr ins Krankenhaus verfrachtet. Da aber auf der Insel kein Arzt anwesend war, wurde mir lediglich ein wenig Aufputschmittel in den Körper gepumpt bevor ich dann nach zwei Stunden Schlaf und einer eiskalten Dusche um meine Körpertemperatur nach unten zu schrauben, wieder zurück ins Hostel durfte. Entspannung habe ich mir doch ein wenig anders vorgestellt.

Nun ja, unsere Abreise hat sich damit um einen Tag verschoben, was weniger Zeit in Rio de Janeiro, unserem nächsten Reiseziel bedeutet hat.

Trotzdem hatten wir bis auf den letzten Tag eine tolle Zeit auf der für mich schönsten Insel auf der ich jemals war. 

Blick von oben Die schöne Insel

Villarrica, Paraguay

Donnerstag, 17.02.2011

Zum zweiten Mal in diesem halben Jahr habe ich das Land verlassen. Dieses Mal um meinen Onkel Dieter in Paraguay und dort in der Stadt Villarrica zu besuchen, wo Dieter nun schon seit geschlagenen 15 Jahren auf seiner kleinen "Farm" mit seinen zwei Töchtern (Gabi und Tania), sowie seiner Frau Rosi lebt. Die Kinder und seine Frau leben allerdings noch keine 15 Jahre dort. Gabi ist fünf, Tania drei und Rosi 28 wenn ich mich recht erinnere. Wenn man das Alter von meinem Onkel schätzen müsste und bedenkt, dass er schon 15 Jahre in Paraguay lebt und aller Wahrscheinlichkeit nach frühestens erst Mitte 20 ausgewandert ist, so würde man auf ein realistisches Alter von 40, Anfang 40 kommen. Das würde einen Altersunterschied zu seiner Frau von mindestens 12 Jahren bedeuten, was wie ich finde ein stolzer Abstand ist. Das ist jedoch weit gefehlt. Tatsächlich dürfte er in diesem Jahr 78 Jahre alt werden. Somit ist der tatsächliche Altersunterschied 50 Jahre. Der Mann macht’s richtig. Außerdem ist Rosi eine hübsche Frau die nebenbei gemerkt auch noch sehr gut kochen kann. Was kann man also mehr vom Leben erwarten? So viel zur Einleitung und zu den Statistiken.

Der Weg ging also von Foz do Iguaçu rüber mit dem Bus über die Grenze nach Ciudad del Este, der zweitgrößten Stadt Paraguays. Die zwei Orte sind verbunden mit der "Brücke der Freundschaft", die allerdings nicht zu Fuß überquert werden sollte. Vor allem nicht wenn man sich mit einem Rucksack so groß wie ein Koffer als Tourist outet. Ansonsten könnte man Gefahr laufen freundschaftlich darum gebeten zu werden den Rucksack abzugeben. Eva und ich haben aber wie gesagt den Bus genommen, so dass wir heil mit Gepäck drüben angekommen sind. Komischerweise mussten wir uns noch nicht mal an der Grenze ausweisen. Während alle Autos anhalten mussten und sich durch das ganze Prozedere des Grenzübergangs schlagen mussten, konnte der Bus einfach durchfahren.

Am Busbahnhof in Ciudad del Este wurde dann erst einmal Geld abgehoben. 150.000 Guarani um genau zu sein. Wenn man die Zahl sieht, könnte man meinen ich hätte diesen Automat komplett ausgenommen. Tatsächlich sprechen wir hier aber nur von knapp 25 Euro, mit denen es sich gut und gerne drei Tage in Paraguay aushalten lässt. Das Umrechnen von Guarani in Euro ist allerdings extrem lästig, da man alles durch ungefähr 6.000 teilen muss. Da Paraguay im Allgemeinen aber unglaublich billig ist, lohnt es sich nicht wirklich seine Gehirnzellen unnötig zu belasten. So sind wir dann also für knapp vier Euro 300 Kilometer mit dem Bus weiter nach Villarrica gefahren. Die Fahrt selbst ist zwar nicht teuer, dafür stammt der Bus aber auch aus der Vorkriegszeit und wurde das letzte Mal vor 70 Jahren sauber gemacht. Dass es keine Klimaanlage gegeben hat muss eigentlich nicht extra erwähnt werden. Auf der Busfahrt haben wir dann auch direkt einen ersten Eindruck von dem Land und den Leuten bekommen und konnten die Armut sehen, die leider immer noch in Paraguay herrscht und weitaus schlimmer erscheint als in Brasilien. Dagegen entpuppt sich jede Favela als ein fünf Sterne Hotel. Was die Leute angeht, so muss ich mich erst einmal korrigieren was meine vorherigen Blogeinträge angeht. Brasilianer sind nicht das langsamste Volk auf der ganzen Welt, das sind Paraguayer. Leider hab ich es irgendwann aufgegeben mitzuzählen, wie oft der Busfahrer ausgestiegen ist, sich mit einer Zeitung hingesetzt hat und sich Mate-Tee gekauft hat. Mate-Tee für die Unwissenden, ist eine Mischung aus zig verschiedenen Kräutern die ständig mit Wasser aufgeschüttet wird und in Paraguay getrunken wird wie bei mir Bier oder Caipirinha. Es läuft also sprichwörtlich jeder mit seinem Becher Mate-Tee umher. Und sollte der Tee irgendwann einmal ausgegangen sein, so muss man eben im Zweifelsfall sofort den Bus anhalten und Neuen kaufen. Und wenn man schon mal draußen ist, kann man dann auch schließlich noch eine kleine Pause machen. Worauf ich hinaus will, die Busfahrt hat eine Ewigkeit gedauert.

Dennoch sind wir irgendwann angekommen, was nicht ganz einfach war, da ich dem Busfahrer erst einmal klar machen musste wo er anhalten soll. Richtige Haltestellen gibt es hier nämlich nicht überall. Wäre auch zu viel verlangt. Bei dem Versuch mit dem Busfahrer zu reden hat sich dann auch gleich herausgestellt, dass Spanisch und Portugiesisch doch zwei verschiedene Sprachen sind und nicht wie angenommen Portugiesisch mehr oder weniger Spanisch mit "Sch"-Lauten ist. Ähnlichkeiten haben die Sprachen aber dennoch mit dem einzigen Problem, dass ich die Spanier bzw. Paraguayer besser verstehe als sie mich. Mit Händen und Füßen konnte ich aber trotzdem erklären wo wir ganz gerne aussteigen möchten.

Endlich bei Dieter vor dem Haus hat uns auch direkt ein kleines Mädchen begrüßt, von der ich ausgegangen bin, dass sie bestimmt eine meiner Cousinen sein muss, die ich wohl gemerkt noch nie in meinem Leben gesehen hab. Da das Mädchen allerdings doch um einiges Älter war als fünf und dementsprechend groß, wollten wir uns gerade entschuldigen, dass wir uns wohl im Haus geirrt haben, als urplötzlich ein kleineres Mädchen aus dem Haus gestürmt kam, "Primo, Primo" rief, was Cousin auf Spanisch bzw. Portugiesisch heißt und mir in die Arme gefallen ist. Kurz darauf kamen auch Dieter, Rosi und Tania aus dem Haus. Was das ältere Mädchen angeht, so hat es sich hier um das Hausmädchen Celia gehandelt. Zumindest glaube ich dass sie Celia heißt. Ich musste jeden Tag aufs Neue nachfragen, da ich mir den Namen einfach nicht merken konnte. Wie dem auch sei, Celia ist ein kleines Indianermädchen, dass Dieter mehr oder weniger zu Hause aufgenommen hat und die einem jeden Wunsch von den Lippen abliest, sowie ständig Mate-Tee und Alkohol anbietet, was ich natürlich nie ablehnen konnte. Vor allem den Alkohol nicht. Von einem 13 jährigen Mädchen bedient zu werden war trotzdem etwas komisch.

Celia, Rosi, Ich und Gabi

Ansonsten haben wir schöne Tage bei Dieter verbracht und uns viel unterhalten. Rosi hat uns jeden Tag mit in die Stadt genommen, ist mit uns einkaufen gegangen und hat uns rumgeführt. Viel geredet haben wir aber nie, auch wenn ich versucht habe ein paar spanische Wörter aufzuschnappen und diese mit meinem fast perfektem portugiesisch zu ergänzen. Sie hat kein Wort verstanden. Es lief also meistens auf den Spruch "Mucho calor" hinaus, was auf Spanisch so viel heißt wie "sehr heiß" und was so ziemlich das Einzige ist was ich im Spanischen sagen kann. Heiß war es im Übrigen mit 39 Grad tatsächlich. Mir ist die Suppe schon runter gelaufen wenn ich nur daran dachte aus dem Haus zu gehen. Wahrscheinlich läuft Dieter daher nur mit einem T-Shirt in der Wohnung rum und damit meine ich wirklich NUR einem T-Shirt. Das haben wir in dem Moment raus gefunden als Dieter ein wenig ungünstig unter dem Ventilator an der Decke stand und das T-Shirt wild im Wind flatterte und alles unterhalb des Bauchnabels enthüllt hat. Naja, und wenn alle schon gesehen haben was vielleicht nicht unbedingt hätte gesehen werden sollen, warum sollte man sich dann auch noch woanders hinstellen und das ständige Hochflattern des T-Shirts verhindern?

Des Weiteren  hat Gabi sich ein wenig in mich verliebt, wollte ständig an meiner Hand laufen und saß praktisch durchgehend auf meinem Schoß. Tania dagegen war etwas zurückhaltender, wobei sie bei einer Autofahrt in die Stadt dann doch einmal anfangen musste zu weinen, weil sie gerne bei ihrem "Primo" vorne sitzen wollte. Durfte sie dann auch. Auffällig ist, dass die zwei Geschwister nicht unterschiedlicher sein könnten. Tania ist eine absolute Prinzessin die sofort anfängt zu weinen sobald sie ihren Willen nicht durchsetzen kann, während Gabi viel personenbezogener ist und sich mehr oder weniger mit dem zufrieden gibt was sie hat.

Gabi und die kleine Prinzessin Gabi und Ich

Zu guter letzt hat uns Dieter natürlich noch ganz stolz seine "Farm" vorgeführt, bzw. seinen Jungle. Tatsächlich trifft es das Wort Jungle wohl am Besten. Das ganze Amazonasgebiet ist nicht so dicht besiedelt wie Dieters Anlage, die von Orangenbäumen über Zitronen, Limetten, Pfirsichen, Bananen und lauter anderem Zeugs geht von dem ich noch nie was gehört habe. Besonders angetan haben es mir die Bananen. Etwas matschiger und breiter als die gewöhnlichen Bananen, schmecken aber tausend Mal besser. Auf der Rückfahrt haben wir uns daher eine ganze Bananenstaude mitgenommen, die allerdings nur zwei Tage gehalten hat.

Abgesehen von den vielen Eindrücken die wir mitgenommen haben und meine Cousinen die ich das erste Mal sehen konnte, habe ich auch viel über meine Familie, besonders über meinen Opa und meine Oma erfahren. Zum Beispiel hatte meine Oma die schönsten Brüste die Dieter je im Leben gesehen hat. Selbst im hohen Alter waren die Dinger so stramm wie bei einer 20-jährigen Frau. Zum großen Bedauern von Dieter hat leider keines der Töchter die Brüste geerbt.

Eva und Dieter Dieter in T-Shirt Abschlussfoto

Foz do Iguaçu

Mittwoch, 16.02.2011

Wieder einmal ist es an der Zeit die letzten Geschehnisse, Ausflüge und Reisen in Worte zu fassen und schriftlich festzuhalten, um euch auf den aktuellen Stand der Lage zu bringen.

Ich habe Besuch aus Deutschland bekommen. Von meiner treuen Freundin, die mir in jeder erdenklicher Situation im Leben zur Seite steht. Die Rede ist von Eva, die wohl die meisten von euch kennen. Mit ihr hat eine weitere Reise angefangen, die leider wohl auch gleichzeitig meine letzte große Reise durch Brasilien ist, bevor es wieder ab in die Heimat geht.

Jeder Anfang einer Reise hat einen Ausgangspunkt, der meistens auch gleichzeitig das Ende der Reise bestimmt. In diesem Fall und wer hätte es anders gedacht war unser gemeinsamer Startpunkt einer der größten Touristenanziehpunkte in Brasilien, São Paulo. Wer meine Einträge verfolgt hat, wird sich vielleicht an den Anfang erinnern und den leichten Sarkasmus in meinen Worten erkennen. In São Paulo gibt es nämlich absolut nichts lohnenswertes zu sehen und selbst wenn ich darüber nachdenke, fallen mir maximal drei Dinge ein die man vielleicht ansehen kann, sollte man sich irgendwann mal im Leben nach São Paulo verirren. Das ist zum einem der Park Ibirapuera, die Kathedrale in der Innenstadt und…ehrlich gesagt gibt es nur die zwei Dinge. Eigentlich hatte ich gehofft Eva ein wenig mehr von der Stadt zu zeigen, bzw. die zwei Dinge eine wenig in die Länge zu ziehen, um es so wirken zu lassen als wäre São Paulo eine wahnsinnig interessante und spannende Stadt. Tatsächlich war es aber so, dass ich sie um fünf Uhr morgens (das bedeutet das ich um halb vier aufstehen musste, nur so nebenbei) vom Flughafen abgeholt habe und wir schätzungsweise um zehn Uhr morgens mit allen Besichtigungen fertig waren und das obwohl wir zwei Stunden im Park verbracht und ich ihr meine Uni, die Wohnung und Umgebung gezeigt habe. Macht aber nichts, schließlich hatten wir uns nach einem halben Jahr Trennung trotz Skype und E-Mails viel zu erzählen, so dass der Tag wieder einmal schneller rum ging als gedacht und wir am nächsten Tag unsere eigentliche Reise begonnen haben.

Wieder einmal ging es zurück zum Flughafen und von dort aus zu dem Touristenort schlechthin, nämlich Foz do Iguaçu, bzw. dem Nationalpark Iguaçu. Den meisten von euch wird der Name bestimmt irgendwann einmal zu Ohren gekommen sein, doch für die, die absolut keine Ahnung haben: das ist der Ort an der Grenze zwischen dem brasilianischen Bundesstaat Paraná und der argentinischen Provinz Misiones an dem wahrscheinlich alle Wassermassen der Welt in spektakulärer Form hunderte von Wasserfällen hinunterstürzen. 

Da die Wasserfälle an der Grenze von Brasilien und Argentinien liegen, ergibt sich die außergewöhnliche Möglichkeit die Wasserfälle von beiden Seiten bzw. unterschiedlichen Blickwinkeln anzusehen, was wir natürlich auch gemacht haben. Sollte man nur einen Tag Zeit haben, würde ich allerdings die argentinische Seite empfehlen, da die noch ein Stück spannender ist und vor allem auch ein wenig billiger. Geld sind wir allerdings auch dort ganz gut losgeworden, denn wenn man schon mal da ist und unbedingt ein wenig näher an die Wasserfälle heran möchte als der Durchschnittsbesucher, dann kommt man um eine Bootsfahrt nicht drum herum. Solch eine Tour muss natürlich bezahlt werden, auch wenn wir danach den halben Tag mit nassen Klamotten herum gelaufen sind. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass unser Bootsführer offensichtlich lebensmüde, komplett betrunken oder einfach nicht in der Lage war ein Boot ordnungsgemäß zu steuern, da er doch tatsächlich in einen Wasserfall gefahren ist. Selbst die kreischenden Frauen konnten ihn nicht davon abhalten immer wieder auf den Wasserfall zuzusteuern. Anschließende Beschwerden konnten den Preis leider dennoch nicht nach unten drücken. Da die nächsten Gruppen aber zufälligerweise auch immer einen Vollidioten als Bootsführer hatten und ebenfalls alle nass wurden, hatten wir wenigstens im Nachhinein auch etwas zu lachen.

Etwas nass nach der Bootstour

Ansonsten kann über den Park nicht viel erzählt werden. Die ganze Anlage ist ein Traum und wieder einmal können Bilder mehr sagen als ich jemals in Worte fassen könnte.

Eva Wasserfall Nummer 1 Wasserfall Nummer 2 Wasserfall Nummer 3 

Neben den Wasserfällen konnten wir außerdem noch Nasenbären beobachten, die dort zu hunderten unterwegs sind und die sich, wie es die Natur vorgesehen hat, hauptsächlich von Chips und Nachos ernähren die ihnen die Besucher zuwerfen.

Nasenbär

Des Weiteren ist eine wahnsinnige Vielfalt an Schmetterlingen zu sehen. Einer ist sogar 88 Jahre alt gewesen. Auffällig ist, dass relativ viele Schmetterlinge genau 88 Jahre alt gewesen sind. Komischer Zufall. Auf jeden Fall sehr angenehm, da man keine Ringe wie bei Bäumen zählen muss oder die Falten bei Frauen. Selbst das Nachfragen nach dem Alter kann man sich sparen. Schließlich kann man es einfach ablesen. Einziges Problem haben die weiblichen Schmetterlinge. Frauen im Allgemeinen versuchen sich ja gerne ein wenig jünger zu reden als sie tatsächlich sind. Das fällt leider flach.

88 Jahre alt

Um zum Schluss zu kommen: Ich kann nachvollziehen, warum es jeden Tourist zu den Wasserfällen zieht und auch wenn der ganze Spaß nicht umsonst ist, ist es definitiv einen Besuch wert.

Noch einmal Eva Eva und Ich

Lençóis / Chapada Diamantina

Freitag, 21.01.2011

Nach dem ganzen Stress an den Stränden in Salvador haben Peter und ich uns eine wohlverdiente Auszeit genommen und haben einen kleinen Zwischenstopp in der kleinen Stadt Lençóis eingelegt, um den dortigen Park Chapada Diamantina genauer unter die Lupe zu nehmen. Es ging also von Salvador aus wieder ein Stück zurück in Richtung Barreiras. Wieder einmal mit dem Bus, allerdings nicht ganz so lange.

Wie der Parkname schon andeutet, wurde hier früher nach Diamanten gegraben, gebuddelt und der halbe Park in die Luft gesprengt. Erst in der Mitte der 90er Jahre wurde die Suche nach Diamanten offiziell eingestellt und Chapada Diamantina als Nationalpark erklärt, obwohl gesagt wird, dass noch 70% aller Diamanten unter der Erde liegen. Da wir nach der Suche nach einem Flaschengeist leider erfolglos geblieben sind und das mit dem "Über-die-Wellen-Springen" ebenfalls ein einziger Reinfall war, schien dieser Park die letzte Möglichkeit an schnelles Geld zu kommen ohne dafür zu arbeiten. Daher die Reise nach Lençóis. Ich kann vorwegnehmen, dass auch das nicht hingehauen hat, sonst würde hier jetzt jemand anderes sitzen und den Blogeintrag schreiben. Reich geworden sind wir also nicht, dafür haben wir aber eine super Zeit gehabt.

Einquartiert haben wir uns in einem Hostel in der Innenstadt von Lençóis mit einem Haufen anderer Touristen und zwei weiteren Deutschen die uns auf einem unserer Ausflüge begleitet haben. Damit wären wir dann auch schon bei den Ausflügen angelangt. Der Park ist mit einer Fläche von 1.520 km² fast doppelt so groß wie Berlin. Es gibt also etliche Wanderwege und Ausflugsziele. Am frühen Morgen, nach nur ein paar Stunden Schlaf haben wir uns im Hostel dann auch direkt und hoch motiviert erkundigt, welche Wanderwege man alleine und ohne Führer laufen kann. Mit erschrockenen Blicken wurde uns dann nahe gelegt, auf gar keinen Fall alleine zu laufen, da die Wege nicht ausgeschildert sind, man sich schnell verirren kann und die Orientierung verliert. Peter und ich wussten es natürlich besser und haben uns mit zwei Liter Wasser auf den Weg durch den Park gemacht. Nach zehn Minuten wandern haben wir uns dann auch wie angekündigt verlaufen und die komplette Orientierung verloren. Wie eine ewig vorgekommene Zeit sind wir also über Stock und Stein gelaufen und von einem Felsen auf den nächsten gesprungen, immer im Hinterkopf: "Das muss der offizielle Wanderweg sein". Naja, was soll ich sagen, das Ganze war so lange witzig bis uns dann ein Jaguar begegnet ist. Also direkt gesehen haben wir jetzt keinen, aber wir haben ein etwas lauteres Geraschel im Gebüsch gehört. Das kann nur ein Jaguar gewesen sein. Tatsächlich haben wir dann einen etwas schnelleren Gang eingelegt und sind auf noch höhere Felsen geklettert und haben Gewährschüsse nachgeahmt um den Jaguar zu verscheuchen und zu entfliehen. Fliehen konnten wir dann auch und die einzige Gefahr die dann noch blieb waren unsere waghalsigen Sprünge über die Felsen. Die anfängliche Meinung, dass wir uns nach wie vor auf dem richtigen Wanderweg befinden ist genauso schnell entflohen wie wir vor dem Jaguar und das einzige was Peter in dieser Situation immer wiederholt sagen konnte war: "…wenn das meine Mutter wüsste". Peters Angst schlug dann um in Panik als uns dann auch noch das Wasser anfing auszugehen. "Wir dürfen jetzt nichts mehr trinken. Es kann sein, dass wir hier Tage lang festsitzen" betonte Peter in fünfminütigem Abstand. Zu diesem Zeitpunkt waren wir von dem Hostel ausgehend etwa eine halbe Stunde unterwegs. Ich möchte es an dieser Stelle nicht zu spannend machen, da einige von euch wahrscheinlich zitternd den Eintrag verfolgen und ich mögliche Herzanfälle vermeiden möchte. Wir haben den Weg also tatsächlich und das sogar am selben Tag zurückgefunden, ganz zur Erleichterung von Peter. Zurück in der Zivilisation wurden wir dann von einer natürlichen Wasserrutsche und einem Wasserbecken belohnt, an dem wir uns von dem Schock des Morgens erholen konnten. Die nächsten Tage haben wir dann allerdings auf keinen Führer mehr verzichtet.

Unser Alleingang ...wenn das Peters Mutter wüsste... Ich beim Rutschen

Weiter ging es also dann am nächsten Tag zur nächsten Wanderung in die brasilianischen Grand Canyons wie ich sie nenne und das ganz ohne sich zu verlaufen oder von angriffslustigen Wildkatzen verfolgt zu werden. Daher gibt es an dieser Stelle auch gar nicht viel zu erzählen, doch wer nach Brasilien kommt darf diesen Ausflug in die Canyons einfach nicht verpassen. Ich lass einfach die Bilder für mich sprechen.

Auf dem Weg zu den Canyons Kurze Pause Der Blick von oben 1 Der Blick von oben 2

Leider haben wir nur wenige Tage in Lençóis verbracht, so dass ich nun auch schon zum letzten Tag kommen muss, den wir zusammen mit den anderen Deutschen im Hostel (Sebastian und Martina) verbracht haben. Dieses Mal haben wir uns gegen eine Wanderung und für ein bisschen mehr Action entschieden und sind klettern gegangen. Angeseilt und mit vollständiger Kletterausrüstung haben wir uns dann also gegen Felswände geschmissen und sind diese nach oben gekraxelt. Oben trifft allerdings nicht auf alle zu. Der ein oder Andere unter uns kam eben nur so hoch wie er springen konnte. Ich möchte an dieser Stelle auch keine Namen nennen, sondern lediglich einen kleinen Tipp geben. Der Name fängt mit "Pete" an und hat insgesamt fünf Buchstaben. Wirklich besser habe ich mich zugegebenermaßen aber auch nicht angestellt. Ich hab schnell rausgefunden, dass ich jedes Mal ein Stück nach oben komme, sobald ich mich auf die Zehenspitzen stelle und das Seil nachgezogen wird um mich abzusichern. In anderen Worten, ich habe eine Strategie entwickelt bei der ich mit nur wenig Anstrengung und fast ohne die Hände zu benutzen nach oben gezogen werde. Da soll noch jemand sagen, dass Klettern anstrengend ist. Auch an diesem Tag wurden wir nach der Anstrengung mit einem Wasserbecken und kleinem Wasserfall belohnt.

Ich beim sich hochziehen lassen Der kleine Wasserfall Peter, Ich, Sebastian und Martina

Traurig ging es am nächsten Tag leider schon wieder zurück nach São Paulo, wo wir auch direkt wieder mit Regen und Gewitter begrüßt wurden. Allerdings nicht bevor uns der Jaguar wieder eingeholt hatte. Das unten stehende Bild beweist die Existenz dieser Bestie. Es war also doch nicht reine Einbildung. Wieder einmal auf der Flucht rannten wir also zum Bus.

Der Jaguar

Ansonsten gibt es nicht viel zu erzählen, außer dass Peter an dem Tag unserer Ankunft in São Paulo angeschossen wurde. Die Beerdigung war letzte Woche. Nein Spaß, er lebt noch. Angeschossen wurde er aber wirklich. Zweimal um genau zu sein, aus einem Auto heraus. Allerdings müssen das irgendeine Form von Plastikpatronen gewesen sein. Bis auf zwei kleine Wunden, höllischen Schmerzen und blauen Flecken ist nichts geblieben. Das Haus hat er seitdem trotzdem nur noch mit kugelsicherer Weste verlassen.

Salvador

Samstag, 15.01.2011

Weiter ging es also 1.000 Kilometer von Barreiras entfernt nach Salvador. 1.000 Kilometer hören sich schon viel an wenn man nur auf Autobahnen fährt, doch ganz andere Dimensionen nehmen diese 1.000 Kilometer an, wenn man auf Landstraßen fährt. Lange Rede kurzer Sinn, die Busfahrt hat genau 16 Stunden gedauert, was mein persönlicher Rekord ist, denn so lange habe ich noch nie am Stück gesessen. Ein Glück (für die Anderen), dass meine zwischenzeitliche Phase als Kind, in der ich schon kotzen musste bevor ich überhaupt in einen Bus eingestiegen bin, vorbei ist. Denn sonst bin ich mir sicher, dass ich auch in dieser Disziplin meine persönliche Bestleistung hingelegt hätte. Die Fahrt verlief aber ohne Probleme und so sind wir wieder einmal relativ früh am Morgen in Salvador angekommen.

Salvador ist nach Rio de Janeiro die Drittgrößte Stadt Brasiliens. Der historische Name lautet São Salvador da Bahia de Todos os Santos, was übersetzt "Heiliger Erlöser von der Bucht der Allerheiligen" bedeutet. Hört sich an wie eine Pralinenschachtel, man muss allerdings mindestens einmal zwischendurch Luftholen um den Namen komplett auszusprechen. Wahrscheinlich daher heute einfach nur kurz Salvador. Erwähnenswert ist, dass in Salvador noch vor Rio de Janeiro der größte Straßenkarneval der Welt gefeiert wird. Wer hätte das gedacht?

Ansonsten sind die Menschen in Salvador nett, zuvorkommend und alle schwarz. Das erste Mal hatte ich das Gefühl, dass ich im Dunkeln leuchte und wurde ebenfalls zum ersten Mal von vornherein als nicht Brasilianer identifiziert.

Doch zurück zum Eigentlichen. Geschlafen haben wir in einem kleinen Hostel in der Altstadt von Salvador, dessen Besitzer offensichtlich ein kleines Alkoholproblem hatte. Jedenfalls war kein Tag wie der Andere und mal hat man sich gestritten, mal ganz normal mit ihm unterhalten. Das "English Breakfast", von uns umbenannt in "English Crap-fast" sagt alles was man über das Frühstück wissen muss. Für die nicht Englischsprachigen unter uns:  "to crap = scheißen" und "fast = schnell" und zusammengesetzt eben "Crap-fast", beschreibt wortwörtlich unsere Lieblingsbeschäftigung bis in die frühen Morgenstunden. Bis auf Peter der verschont geblieben wurde. Ich denke weiter ins Detail sollte ich an dieser Stelle nicht gehen.

Wie dem auch sei, in den kurzen Pausen die uns zwischen dem nächsten Toilettengang blieben, haben wir es doch noch geschafft uns die Stadt genauer anzusehen. Salvador, direkt am Meer gelegen hat eine wunderschöne Altstadt mit vielen kleinen Häusern, vielen Kirchen und gehört für mich bisher zu der schönsten Stadt Brasiliens. Die Stadt ist sogar so schön, dass Peter und ich ernsthaft in Betracht gezogen haben, dort sesshaft zu werden. Nach kurzer Überdenkphase haben wir uns dann auch direkt als Priester beworben, wie auf dem Bild unten eindeutig zu erkennen.

Das Bewerbungsfoto Irgendeine Kirche Altstadt

Aus einem mir unerklärlichen Grund wurden wir aber abgelehnt, so dass wir die Idee in Salvador sesshaft zu werden leider wieder verwerfen mussten. Naja, gibt Schlimmeres.

Neben der, wie gesagt schönen Altstadt ist Salvador umgeben von kleinen Inseln und zumindest zu zwei dieser kleinen Inseln haben wir einen Ausflug gemacht. Leider fällt mir nur der Name von einer Insel ein (Ilha de Itaparica). Ist aber auch nicht so wichtig. Die Überfahrt mit einem Motorboot voller Touristen hat jedenfalls knapp eineinhalb Stunden gedauert. Von der Überfahrt selbst habe ich allerdings nur wenig mitbekommen, da ich es mir die meiste Zeit über auf Deck gemütlich gemacht und geschlafen hab. Kennt ihr das, wenn man im Schlaf plötzliche Zuckungen bekommt? Und kennt ihr auch, wenn in dem Moment dieser besagten Zuckung jemand mit einem Tablett Caipirinhas vorbeiläuft und ihr das komplette Tablett abräumt? Manchmal frage ich mich, warum so etwas gerade mir passiert. Den Blick von dem Typen hättet ihr mal sehen sollen. Das ist dem bestimmt noch nie passiert. Der Tag war aber trotz des kleinen Unglücks noch sehr schön, mit viel Sonne schönen Stränden und im Allgemeinen schönen "Ausblicken".

Strand auf der ersten Insel Irgendwo auf der Insel Wir Vier Weiteres Strandbild Meine Wenigkeit

Des Weiteren haben wir in Salvador Silvester gefeiert. Direkt am Strand mit Live-Musik, einer Gruppe von Argentiniern, die wir im Hostel kennen gelernt haben und weiteren gefühlten zwei Millionen Menschen, alle in weiß. Punkt kurz nach Mitternacht mit einer kleinen, typisch brasilianischen Verspätung kam dann das Feuerwerk auf das alle sehnsüchtig gewartet haben. Gerne würde ich euch ein Bild von dem Feuerwerk zeigen, was wirklich ausgesprochen gut war, doch uns wurde leider die Kamera gestohlen. Ein kurzer Griff in die Hosentasche von Johannes und weg war sie.  Kann man nichts machen. Trotzdem haben wir uns die Stimmung nicht vermiesen lassen. Also wir drei Jungs zumindest. Corina hat eine Weile gebraucht um den Verlust ihrer Kamera zu verkraften. Irgendwie auch nachvollziehbar. Bilder haben wir zum Glück vorher gespeichert.

Gegen ein Uhr nachts wurden wir dann von einer Argentinierin überredet mit Klamotten und allem drum und dran ins Wasser zu gehen. "Das macht man hier so" hat sie gesagt. Außerdem hat man sieben Wünsche frei. Man muss lediglich über sieben Wellen springen und sich bei jedem Sprung eine Sache wünschen. Ich mein, dass ist besser als jeder Flaschengeist bieten kann. Zudem gibt man sich nicht die Blöße wie ein Bekloppter jede Flasche so richtig heiß zu rubbeln, in der Hoffnung das jemand noch Bekloppteres heraus springt. Gesagt getan, es ging also ab ins Wasser. Das mit den Wünschen hat dann allerdings doch nicht so gut geklappt wie zuerst angenommen. Versucht mal um ein Uhr nachts ins kalte Meer zu gehen, über eine Welle zu springen, sich gleichzeitig bei dem Sprung was zu wünschen, um das ganze Prozedere eine Sekunde später mit einem völlig anderen Wunsch zu wiederholen. So schnell kann man sich gar nichts wünschen und für jemanden der absolut nicht Multitasking fähig ist, grenzt dieses Vorhaben an das Unmögliche. Deprimiert und pitschnass von oben bis unten ging es also wieder ans Land, wo sich klammheimlich wieder an jeder Bierflasche gerieben wurde. Leider ohne Erfolg.

Luís Eduardo Magalhães

Mittwoch, 12.01.2011

Wie im vorherigen Eintrag kurz erwähnt, besitzt Peter’s Familie eine Farm hier in Brasilien. Genauer gesagt etwa 100 Kilometer von Barreiras entfernt in dem kleinen Ort Luís Eduardo Magalhães, wo uns (suprise, suprise) unsere nächste Fahrt hinführte.

Luís Eduardo Magalhães gilt hierzulande als die Hauptstadt rund um Agrarwirtschaft und ist so dermaßen flach, dass Bodenwellen auf den Straßen dafür Sorgen, um zum Einen etwas Abwechslung in die flache Landschaft zu bringen und zum Zweiten den Reparaturaufwand der Autos nach oben zu treiben, um die dortigen Werkstädten zu unterstützen. Dies wird dadurch erreicht, dass die Bodenwellen so hoch gebaut werden, dass man jedes Mal aufsetzt, egal ob schnell oder langsam drüber gefahren wird. Zum Mäusemelken ist das.

Da sich in dem Ort fast alles um Landwirtschaft dreht, ist hier nicht viel los und mit nicht viel meine ich wirklich nichts. Gelegentlich trifft man jedoch auf die ein oder andere einsame Seele. Na gut, so schlimm wie ich es beschreibe ich ist dann doch nicht.

Nun zu Peters Farm! Die Farm selbst ist ein größerer Garten mit einem Haus, einer Lagerhalle und einer kleinen Hütte inklusive einem eigen gefertigtem Fitnessstudio davor. Zu empfehlen ist allerdings, dass man der Hütte nicht allzu nahe kommt. Beziehungsweise sollte ein Helm getragen werden, sollte man sich gezwungenermaßen doch auf fünf Meter nähern. Auch dem "Fitnessstudio" würde ich nicht allzu lange Treue schwören.

Die Hütte mit Fitnessstudio Der Garten Peter, Corina und Ich ...nur fahren konnte ich nicht

Ansonsten war der Tag auf der Farm dadurch geprägt, dass sich Johannes und Peter wie Bekloppte im Kreis gedreht haben, beide auf der Suche nach dem schönsten Klumpen Erde. Und während es sich Corina und ich unter dem einzigen Baum im Umkreis von 50 Kilometern gemütlich gemacht haben, konnte man den Nachmittag über im Hintergrund immer wieder hören: "Krass! Peter, guck dir den Klumpen an." … "und den erst Johannes! Der hat bestimmt eine Bodenwertzahl von 79-82.  Mach bitte mal ein Foto von mir und dem Klumpen."

Corina und Ich

Apropos Fotos. Ich möchte nicht lügen, aber rund 80% aller Urlaubsbilder sind weite Landflächen mit ein paar Grashalmen drauf und abertausende, für mich identisch aussehende Erdklumpen. Würde mich nicht wundern, wenn bald das erste Poster von Miss Klümpchen 2010 in unserem Zimmer hängt. 

Abgesehen von Peters Farm haben wir uns aber auch noch andere Farmen angesehen. Eine davon war sogar für mich sehr interessant. Zumindest habe ich das erste Mal gesehen wie eine Kaffeepflanze aussieht aus der mein schwarzer Freund und Helfer in frühen Morgenstunden bezogen wird. In dem Zusammenhang fällt mir wieder ein: "Was ist schwarz und kann fliegen? …ein Düsenneger!" Ha ha ha…

…ich gebe zu, der Witz ist nicht gerade auf höchstem Niveau, dafür aber so bescheuert, dass man schon wieder drüber lachen kann. 

So sieht Kaffee aus!

Nach dem schlechten Witz komme ich lieber schnell zum Abschluss. Wir hatten alle Vier eine schöne Zeit in Luís Eduardo Magalhães, haben uns dann aber auch alle auf Salvador und ein paar entspannte Tage am Strand gefreut. 

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